Bemerkenswert: Viele Jugendliche können nicht zwischen Demokratie und Diktatur unterscheiden.

Einmal beiseite gelassen, dass eine demoktratische Verfasstheit „nur“ eine notwendige Bedingung der Entwicklung mitmenschiicher Perspektiven, bzw. (welt-)gemeinschaftlicher Verantwortlichkeit  ist und dafür keineswegs hinreicht,  und berücksichtigt, dass manchesmal auch Begehren nach mehr Demokratie hinter  dem geringen Unterscheidungsvermögen zwischen „Diktatur“ und „Demokratie“ stecken könnte, sind die Ergebnisse der FU-Studie doch ein Warnzeichen. Was läuft da schief?

Aus dem Newsletter der Berliner Senatsverwaltung für Bildung

„Viele Jugendliche können einer Studie der Freien Universität Berlin zufolge nicht zwischen Demokratie und Diktatur unterscheiden. Wie die Befragung des Forschungsverbundes SED-Staat der Freien Universität unter knapp 7.500 Schülern in fünf Bundesländern ergab, halten viele Schüler den NS-Staat und die DDR nicht für eine Diktatur; die (alte) Bundesrepublik und das wiedervereinigte Deutschland werden häufig nicht als Demokratie eingestuft. Ursache dieser Fehleinschätzungen ist den Forschern um den Politikwissenschaftler Prof. Dr. Klaus Schroeder zufolge das geringe politisch-historische Wissen von Schülern, denn – so ein weiteres Ergebnis der Studie – zwischen Kenntnissen und Urteilen besteht ein direkter Zusammenhang. Der Einfluss von Kenntnissen auf die Systembeurteilung ist deutlich stärker als etwa die Herkunft der Eltern, die besuchte Schulform oder die Parteipräferenz.“

Schaubilder und Tabellen zur Studie finden Sie zum Download unter: www.fu-berlin.de/presse/informationen/fup/2012/fup_12_181

Das COMMONS-BUCH

Ein notwendiger Hinweis:

Das von der Böllstiftung und der Commons-Expertin Silke Helfrich herausgegebene 400 Seiten starke Lesebuch, in dem 90 Autor_innen aus 30 Ländern unter anderem darüber aufklären, was mehr wird wenn wir es teilen, ist natürlich ein MUSS. Werde mich hier also nach und nach mit seinen einzelnen Beiträgen auseinandersetzen.

Als gedrucktes Buch erhält man es gegen eine »Bereitstellungspauschale« von 24,80€ bei der Böll-Stiftung, zum selben Preis auch beim Transcript-Verlag oder kostenlos als PDF-Download unter einer Creative-Commons-Lizenz (by-sa).

Bald also mehr

Und was bringt die Taz neues?

A) BEMERKENSWERT

1.) Umweltbilanz von Elektroautos – Öko nur gegen Aufpreis (30.1.12) Der Opel Ampera ist das erste deutsche Elektroauto für den Alltag. Ein neus Gutachten zeigt aber: Ohne Ökostrom sind Elektroautos eine Klimabelastung.

2.) Boykott jüdischer Geschäfte im NS-Regime – Verraten und verkauft (30.1.12) Moderner Antisemitismus hat verschiedene Ursachen und folgt bestimmten Mechanismen – es wird nicht mehr religiös argumentiert. Welche sind das und wie wirken sie?

3.) Die Angst der Bundesregierung vor den Akten – 20 Jahre Vorzensur (30.1.12) Das Stasiunterlagen-Gesetz (StUG) wird nach 20 Jahren als großer Erfolg gefeiert. In Wahrheit ist es ein fauler Kompromiss zwischen Aktenöffnung und Staatsräson. Denn die Regierung Kohl hatte seinerzeit viel zu verbergen.

4-) Weltsozialforum in Porto Alegre – Gemeingüter als dritter Weg (29.1.12) In Porto Alegre wird der Diskurs über die „Commons“ zum globalisierungskritischen Mainstream. Zwischen Markt und Staat soll sie zur dritten Alternative werden.

Anm. hh: Nunja, Herstellung, Gestaltung und Verteidigung von Brauchbarem „dem Zugriff der Märkte entziehen“ als Alternative zur angefeindeten „Green Economy“ auszugeben, dürfte nicht mehr einbringen, als sich soziologische Nischen als „die“ gesellschaftliche Persektive zurecht zu träumen. Die bräuchte wohl eher ein intelligentes Zusammenspiel von Green Economy und Inseln gemeinsamer Verantwortung.

B) BAD NEWS

1.) Syrische Rebellen unter Druck – Assad-Truppen machen Boden gut (30.1.12) Syrische Regierungstruppen haben Außenbezirke von Damaskus zurückerobert. Laut Aktivsten gehen die Truppen von Präsident Assad von Haus zu Haus und nehmen Menschen fest.

2.) Überwachung von Linke-Abgeordneten – Die Hälfte der Fraktion wird verdächtigt (29.1.12) Parteichef Ernst zufolge sollen nicht 27 sondern mindestens 42 Abgeordnete der Linkspartei vom Verfassungsschutz überwacht worden sein.

C) NOT SO BAD

 1.) Verfassungsschutz im Fernsehen vorgeführt – Vom Blockwart zum Antifaschisten (30.1.12)  Dass im öffentlich-rechtlichen Fernsehen der Verfassungsschutz ausgelacht wird, wäre vor den Nazi-Morden undenkbar gewesen. Nun passiert es bei Günther Jauch.

Anm. hh: Leider ist in dem Artikel nichts über die Lacherfolge des CSU-Generalsekretär Dobrindt zu erfahren, der einen Verbotsantrag gegen die Linke ins Spiel brachte.

„Ich denke, wir sollten alle Anstrengungen unternehmen, dass wir mittelfristig auch zu einem Verbotsverfahren kommen.“

Quelle: Spiegel-online vom 30.1.12

Sollte dem Publikum sein Lachen im Halse stecken geblieben sein? Vielleicht stellte sich so etwas wie eine Ahnung der Möglichkeit ein, dass hier gar kein „politischer Quartalsirrer“ (Ramelow) oder „Politclown“ (der Tagesspiegel) unfreiwillige Saire darbot, sondern sich nach Köhler mal wieder einer vom Schwarzen Block.der Regierigen verplappert und unfreiwillig das ausgesprochen hat, was man sich in diesen Kreisen so an strategischem Zeugs durch den Kopf gehen lässt – für irgend welche künftigen Occopy-Capitalism-Zeiten?

2.) Interview zur Urbanen Landwirtschaft -„Gewächshäuser und Dachgärten“ (28.1.12) Berlin könnte viel mehr Obst und Gemüse direkt in der Stadt ernten, sagt der Forscher Axel Dierich. Doch der Senat zeige zu wenig Engagement

Zur Wannseekonferenz am 20. Januar 1942

Das vielleicht  intensivste Stück Aufklärung, das das Deutschlandradio heute zur Erinnerung an die Wannseekonferenz vor genau 70 Jahren leistete, kam wohl ausgerechnet vom O-Ton Adolf Eichmanns. Im Rahmen seines Prozesses hatte der die Abwesenheit irgend eines Anzeichens von Distanz bei den an der Konferenz teilnehmenden Staatssekretären, Polizei- und Reichsbahnfunktionären usw. geschildert.  Einige hätten sogar einen geradezu freudigen Diensteifer an den Tag gelegt.

„Hier war nicht nur eine freudige Zustimmung allseits festzustellen, sondern darüber hinaus ein gänzlich unerwartetes, ich möchte sagen, sie Übertrumpfendes und Überbietendes im Hinblick auf die Forderung zur Endlösung der Judenfrage.“

Quelle: Deutschlandradio vom 20.1.12

Dieser in der gesellschaftiichen Normalität steckende Extremismus, der als stinknormale Anpassungsleistung stinknormaler Menschen an eine zur Volksgesundheitsnormalität werdende  gesellschaftliche Geisteskrankheit zutage tritt, (als „Banalität des Bösen“) beunruhigt – um so mehr, als eine erneute Verbindung von Massenwahnsinn und imperialer Politik mit dem Mittel des Massenmords  nicht für alle Zukunft ausgeschlossen werden kann. Denn wir können nicht wissen, welche Wendungen die „Vorgeschichte der Menschheit“ (Marx)  nimmt, wenn sich Küstenstädte nicht mehr halten lassen, Ernteausfälle sich in Euro (und nicht mehr nur in Cent) bemerkbar machen, der Weltgeldverkehr zusammenbricht, die Meere akut sauer aufzustoßen drohen usw.  Wohin entwickelte sich dann zum Beispiel die „Gemeinwohligkeit“ derjenigen Menschenfreunde, die sich heute so außerordentlich gutmeinend um  „das Bevölkerungswachstum“ sorgen?

Die im Reflektionsvermögen der zur Mitmenschlichkeit drängenden Kräfte leider kaum (noch) präsente Arbeit „Ökonomie der Endlösung“ von .Susanne Heim und Götz Aly hatte  m.E. sehr eindrucksvoll beschrieben, wie Wechselwirkungen zwischen Alltag, Ideologie, Wissenschaft, Verwaltungshandeln (und deren Eigenlogiken bzw. -perspektiven) und Kapitalbedürfnissen zur mörderischen Mischung geraten können. Aly und Heim trugen z.B. Hinweise zusammen, die darauf schließen ließen, dass Nazideutschland einen quasie „wissenschaftlicher Imperialismus“ betrieb und all sein hinterwäldlerischer Irrationalismus Element höchstgradig moderner, rationaler Strategien war.

Mit „Bevölkerungspolitik“ befasste Wissenschaftler hatten etwa über Bedingungen einer effizienten Industrieentwicklung geforscht, und waren zu dem Ergebnis gekommen, dass diese die Abnahme der Bevölkerungsdichte voraussetzt, d.h. die optimale Entwicklung einer effizienten Industrie nach Entledigung von – durch eben die industrielle Entwicklung – „überflüssig“ gewordenen Essern verlangt. So hätten die Auswanderungsströme des 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts aus Europa dessen Entwicklung entschieden voran getrieben, was in den USA wiederum die Siedlungsbewegung und die damit verbundene „Dezimierung“ der Urbevölkerung erledigte.

„11 Millionen der Endlösung zuzuführender Juden“ war – dem Protokoll der Wannseekonferenz zufolge – das Plansoll der damals bereits angelaufenen Mordmaschinerie. Der Gedanke, dass dies womöglich als Element einer langfristig angelegten Strategie des wissenschaftlichen Imperialismus gedacht war, (oder sich allmählich dazu entwickelte) dessen Ziel ein einheitlicher europäischer Binnenmarkt deutscher Nation mit einer Unterteilung in Sklaven- und Herrenvölkern war, für dessen „optimale Bevölkerungsdichte und-zusammensetzung“  ein Großteil der einheimischen Bevölkerung in den eroberten Ländern auszurotten sei, scheint so ungeheuerlich, dass – meiner Erinnerung nach – auch Aly und Heim davor zurück geschreckt waren, das in dieser Deutlichkeit zum Ausdruck zu bringen. Dabei legt das, was über den Generalplan Ost bekannt wurde, genau das nahe.

Auch dies ein guter Grund, sich die „Wannseekonferenz“ zu vergegenwärtigen – außer dass dies so oder so ein Gebot der – weiteren – Mitmenschlichkeitswerdung ist.

Gruß hh

Siehe auch den Bericht in der Taz vom 20.1.12:

70 Jahre Wannsee-Konferenz – „Beteiligte Zentralinstanzen“ Die Teilnehmer der Konferenz hatten umzusetzen, was die NS-Spitze um Hitler, Himmler und Göring zuvor beschlossen hatte.

Anm. hh In dem Bericht eingeflochten ist ein Faksimile  des Protoklls der mörderschen Veranstaltung.

Und was bringt die Taz an Neuigkeiten?

A) BEMERKENSWERT

1) Kreuzfahrtschiffe und die Umwelt -Boom-Branche mit Schmuddel-Image (16.01.12)Für den Tourismus sind Kreuzfahrten die Erfolgsstory der letzten Jahre – 5,5 Millionen Europäer machten 2010 eine. Für die Umwelt sind sie eine Katastrophe.

„Es gibt eine Reihe von Maßnahmen, die Umweltbelastung durch Schiffe zu reduzieren, etwa Umstieg vom Schweröl auf umweltfreundlicheres Dieselöl. Aber laut Nabu verweigern die Konzerne aus Profitgier die Verwendung von Schiffsdiesel und den Einbau von Abgastechnik. Nach Angaben der Umweltschutzorganisation stößt ein einziger Ozeanriese auf einer Kreuzfahrt so viele Schadstoffe aus wie fünf Millionen Autos auf der gleichen Strecke. Und die Bilanz in puncto Treibhausgas? Nach übereinstimmenden Studien steuert die Seeschifffahrt 2,7 Prozent der weltweiten CO2-Emissionen bei – ungefähr so viel wie der viel gescholtenen Flugverkehr. Daher plant die EU, den Emissionshandel in Zukunft auch auf den Schiffsverkehr anzuwenden.“

Anm. hh: Wie diese Form der Erholung vom Arbeitsleben bzw. des Stillens von Erlebnishunger wohl auf Weltkonferenzen vereinigter Völker verhandelt würde, die Richtlinien eines globalen Nachhaltigkeitsmanagements auszuarbeiten und das danach Ausprobierte zu evaluieren hätten?

2.) Südtunesien Wüste, Palmen, schroffe Berge (14.01.12)  In der entwicklungsschwachen Region des Dahar-Gebirges soll Tourismus Arbeitsplätze schaffen. 50 Prozent der Arbeitssuchenden sind Frauen mit guter Ausbildung.

3.) Syrischer Autor über Hafterfahrungen – „Die Syrer geben wirklich alles“ (15.01.12) Der Kampf für Freiheit, die Angst, das Gefängnis: Der syrische Autor Mohammad al-Attar dokumentiert die Gegenwart und lässt Menschen von Gewalt berichten.

B BAD NEWS

1.) Folgen des Klimwandels in Kanada -Massensterben von Robbenjungen (5.01.12) Das Meereis vor Kanadas Küsten wird deutlich dünner. In Folge sterben immer mehr Sattelrobben, weil ihnen das Eis buchstäblich unter den Flossen wegschmilzt

2.) Energiewende schlecht für Naturschutz -Öko bedroht Bio (15.01.12) Umweltschützer schlagen Alarm, weil die geplante Energiewende den Naturschutz und die Artenvielfalt bedrohe. Dadurch werde der Raubbau im Wald vorangetrieben.

Anm. hh: Wichtige Einwände, die gut zu wissen! Wüsste übrigens auch gern, ob Renate Künast  schon irgendwo Selbstkritisches geäußert hatte ob ihrer eistigen Bio-Kraftstoff-Euphorie.

Die Zwischenürschrift „Öko ist nicht gleich Bio“  hätte sich B. Pötter allerdings sparen sollen. Der Unsinn schafft nur Verwirrung. Mit „ökologisch“ in einer inhaltlich, normativen Bestimmung ist ja grad auch die aktive Rücksichtnahme  auf Naturschutzbelange gemeint, und wo das nicht geschieht, kann und muss auf diesen Widerspruch aufmerksam gemacht werden so dass es heißen müsste: „Öko“ ohne Ökologisierung des „Bio“ wäre kein „Öko“. Oder halt: „Bio ist nicht immer öko(logisch)!“ Es sei denn, es geht um die Charakterisierung von Lebensmittteln, wo der Begriff „Bio“in dem Sinne  geschützt wurde, dass bestimmte ökologische Mindeststandards  erfüllt sein müssen. Die Frage ist, ob dies auf Nicht-Lebensmittel ausgedehnt werden solllte? Dafür spricht die Verwirrrung grad beim Thema Biofuel, aber vielleicht wäre die Bezeichnung „Öko-Bindestrich“ (z.B. für Öko-T-Shirts)  präziser.

C) NOT SO BAD

1.) Erfolgreicher Ortsverband verlässt FDP „Gute Arbeit ohne gelbes Label“ (16.101.11) Die FDP Treuenbrietzen war mit einem Wahlergebnis von 34 Prozent bisher einer der erfolgreichsten Ortsverbände. Nun ist er fast vollständig ausgetreten.

Anm.hh: Dazu passend die neuen Poltereien des neuen FDP Marschinisten Westerwelle (Taz vom 15.1.11) :

Die Linkspartei stehe für „den Schießbefehl“, die Grünen für „Bevormundung“. Das von deren NRW-Gesundheitsministerin Barbara Steffens angepeilte Rauchverbot in der Gastronomie führe „in eine Besserungsanstalt, nicht in eine freie Gesellschaft“.

WEITER SO! Gestern noch stand die FDP am Abgrund. Heute ist sie bereits einen Schritt weiter.

2.) Sayonara, Atomkraft (16.01.11) In Japan treffen sich 10.000 Anti-AKW-AktivistInnen aus aller Welt. Die japanische Bewegung hat viel Zulauf und Zuspruch und will sich besser vernetzen